Immer wenn wir Geistiges durch Geistloses ersetzen, überhöhen wir das Inhaltlose und das Nichtige. Gott ist aber Inhalt und Wesenhaftigkeit schlechthin. Jedoch wird durch die Betonung und Vermehrung des Scheinbaren die Sicht auf das Wesentliche (auf Gott) verwehrt. Wahrhaftiges bedarf keiner künstlichen Betonung.
Weil wir selbst arm und mittellos sind an wahren Werten und uns diese Beschränktheit nicht bewusst ist, neigen wir dazu, Inhaltloses und Nichtiges hervorzuheben. Doch jede Überhöhung und Zurschaustellung des Nichtigen ist die gewaltsame Schwächung des Wesentlichen und zieht die Geringschätzung unserer selbst nach sich. Damit die Botschaft Jesu in uns Raum finden kann, muss zuvor alles menschlich Hohe niedrig und alles menschlich Niedrige nach oben gebracht werden, wie es Johannes der Täufer forderte:
Bereitet den Weg des Herrn und macht seine Steige eben! Alle Täler sollen erhöht werden, und alle Berge und Hügel sollen erniedrigt werden … Lukas 3,4–5
Bei Lao-Tse liest man einen ganz ähnlichen Gedanken:
Der Weg des Himmels
ist wie das Bespannen eines Bogens:
Das Hohe beugt sich nach unten
Das Untere kommt empor
Was übermäßig ist, wird verringert
Was zu wenig, das wird vermehrt
Der Wille des Himmels
Verringert was zu viel
vermehrt was zu wenig
Der Weg des Menschen ist entgegengesetzt:
Es verringert was zu wenig
Es vermehrt was schon zuviel Lao-Tse