In jedem Menschen, ob Freund oder Feind, begegnet uns Gott unmittelbar selbst.
Dieser Gedanke ist Grundlage der Botschaft Jesu. Ist uns die Erscheinung unseres Nächsten verhasst, weil er nicht unseren Vorstellungen entspricht, so verachten wir damit zugleich das Bild Gottes
in ihm. So versinnbildlicht auch der verurteilte und gekreuzigte Jesus eine Facette Gottes, die so ganz und gar nicht unseren menschlichen Vorstellungen von einem Ideal entsprechen
will.
Licht als ein Sinnbild geistiger Erkenntnis steht einerseits für die Qualitäten: Helligkeit, Liebe (Wärme) und Klarheit – allerdings nur dort, wo wir diese guten Qualitäten des Lichtes auch anerkennen, schätzen und achten. Begegnen wir dem Geist in der Erscheinung unseres Nächsten mit Verachtung, so beschwören wir eben dadurch jene schmerzvolle „Berührung“ mit dem Geist herauf, die nun Läuterung, Verbrennung und Vertilgung repräsentieren. Damit stehen sie für alle schmerzvollen Lebenserfahrungen, deren Sinn sich uns gedanklich nicht erschließt. Höllisches Feuer im Sinne des obigen Gleichnisses ist somit jede verhasste Konfrontation mit der Wirklichkeit unseres Daseins. Im obigen Fall ist es die Infragestellung unseres Nächsten. Jesus macht deutlich, dass – trotz großer geistiger Unterschiede – in jeder menschlichen Begegnung ein verborgener Sinn und eine Bedeutung liegen, die es für uns zu suchen und zu ergründen gilt.